Montag, den 26. Oktober 2009 um 13:56 Uhr

Vom Regierungsbunker zum Vulkan


ausflugUnser diesjähriger Tagesausflug ging in das schöne Ahrtal.

Zuerst hatten wir auf einem Rastplatz an der B9 unser Frühstück zu uns genommen. Hierzu hatten unsere Kameraden Markus und Andrea einen Wäschekorb voller Brötchen und Wurst mitgebracht.

Anschließend ging es weiter Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler zu unserem ersten Etappenziel.

Vom Bussparkplatz ging es dann zu Fuß zum Regierungsbunker.

Dieser „ Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland", entstand von 1960 bis 1972 im Ahrtal bei Bad Neuenahr-Ahrweiler und ist ca. 30 Kilometer von der damaligen Bundeshauptstadt Bonn entfernt. Ursprung dieser Bunkeranlage war die damals bereits vorhandene 3 Kilometer lange Röhre der Eisenbahnstrecke mit der man 1910 begann.

Sie wurde  im Rahmen des Schlieffenplanes geschaffen (damals saß der Feind im Westen) um das rheinische Industriegebiet direkt mit dem damals von Deutschen besetztem Lothringen zu verbinden.  Mit dem Bau wurde im Winter 1913/1914 begonnen.

Der Erste Weltkrieg war jedoch schneller als die Arbeiter mit dem Tunnel, und so wurde diese Strecke nie vollendet. Ein Zug hat  hier die Eifel nie passiert.
Im Dritten Reich wurde dann 1944 in den vorhandenen Eisenbahnröhren mit der unterirdischen Produktion mobiler Abschussrampen für die V-Waffen begonnen. Zur Durchführung dieser Arbeiten wurden auch KZ-Häftlinge gezwungen.
Zum Ende des 2. Weltkrieges wurden die Tunnelröhren dann von französischem Militär durch Sprengungen unbrauchbar gemacht.

Schon Mitte der 50er Jahre suchte die Regierung geeignete Schutzmöglichkeiten um ihrer Einsatzbereitschaft im Kriegsfall aufrecht erhalten zu können. 1958 fiel die Entscheidung auf das Ahrtal und ein Jahr später wurde mit der Trümmerräumung begonnen. Während der Bauzeit von 1960 bis 1972 waren hier ca. 20.000 Arbeiter beschäftigt.

Die Gesamtlänge aller Bunkerbereiche erstreckt sich auf zusammen 17.336 Meter. Es wurden hier 936 Schlafräume und 897 Büros errichtet. Der Bunker ermöglichte im Ernstfall einen Aufenthalt für 3000 ausgewählte Personen 30 Tage ohne jeglichen Kontakt nach draußen.
Der Bunker war in 5 eigene autarke Bereiche eingeteilt. Jeder Bereich alleine überlebensfähig mit eigenem Sanitätsbereich, Feuerwehr und Großküche. Die Bunkeranlage wurde mit 3 Schiffsmotoren mit Stromgeneratoren mit je ca. 1000 PS versorgt (1 davon war Notaggregat). Die Be- u. Entlüftungsschächte sind sie mit Deckeln versehen, die sich bei einem atomarem Beschuss in Sekundenbruchteilen schließen. Für diesen "Warteraum" wurden geschätzte 40 Milliarden Mark ausgegeben.

Nach der Wiedervereinigung vor 20 Jahren ging auch die Ära des kalten Krieges zu Ende. Für den Bunker fand man keine Verwendung und auch keine Interessenten. So begann 2001 der endgültige Rückbau der Bunkeranlage, der 2006 abgeschlossen war. Es bleiben lediglich 200 Meter von den Baumaschinen verschont. Diese sind im Originalzustand erhalten geblieben. Hier ist nun ein Museum entstanden, das die Gedanken des Kalten Krieges auch für nachfolgende Generationen erlebbar machen kann.

Wir machten also eine spannende Reise in die jüngere deutsche Geschichte. In unserer Fotogalerie kann man einige Fotos
aus dem Bunkerbetrieb (was noch davon übrig blieb) sehen.

Ein absolut lohnenswerter Ausflug - sehr zu empfehlen.

Im Anschluss ging es in das idyllische Kurstädtchen Bad Neuenahr mit seiner sehenswerten Altstadt.

Zum Tagesabschluss ging unsere Fahrt zu der Vulkan-Brauerei nach Mendig. Über eine Treppe mit über 150 Stufen gelangen wir in die Tiefe, in das Basaltlava-Bergwerk. Die Lavakeller erstrecken sich auf einer Fläche von 3 km², 32m tief unter der Stadt Mendig. Bei der Führung erfuhren wir viel über die Abbaumethoden und Lebensumstände der Mendiger, die Mitte des 19. Jhd. hier, zum Teil auch in privat gegrabenen Gruben, die Steine förderten. Hier war es meist Aufgabe der Frauen u. Kinder die 10 bis 15 Meter langen senkrechten Zugangsröhren zu den Lavasteinen zu schaffen.

Kurz auch hier etwas zur Geschichte:
Unter einer 15 m starken Bimsschicht, Auswurf des vor 12.900 Jahren explodierten Laacher See-Vulkans, befindet sich der zu Basalt erstarrte Lavastrom aus den Vulkantätigkeiten vor 200.000 Jahren. Die Kristallisation ließ die Lava in 5 - 6 eckigen Säulen wachsen. Diese dicht an dicht stehenden Säulen wurden im 19. Jahrhundert unter Tage gebrochen und als Baumaterial wie auch zur Herstellung von Mühlsteinen, abgebaut. Dadurch entstanden unterirdisch große Hallen. Diese Felsenkeller wurden später von 28 Bierbrauereien zur Bierlagerung (gleichbleibend 6-9° C.) genutzt. Mit der Erfindung des Kühlschrankes durch Linde war man nicht mehr auf die temperierte Lagerung im Felsenkeller angewiesen. Somit zogen sich die Brauereien zurück.

Es war ein rundherum informativer und interessanter Ausflug!